# Leibniz Legible — https://leibnizlegible.com # Page: https://leibnizlegible.com/page/00068823:0448 # Permalink to this reading: https://leibnizlegible.com/page/00068823:0448?run=617 # Title: Leibniz-Handschriften zur Politik und Volkswirtschaft LH 34 # Folio 229v, page id 00068823:0448 # Scan: One image of two folio pages side by side, registered by the library under both labels (also fol. 228r); this page is its left half. # Original at the GWLB: https://digitale-sammlungen.gwlb.de/resolve?id=00068823&page=448 # Source image: https://digitale-sammlungen.gwlb.de/content/00068823/jpgs/default/00000448.jpg # Model: k3-trocr@runs-615-epoch-5, run 617, 2026-10-30T12:51:04Z — 105 lines, status machine # Lines: 105 recognised, mean confidence 0.96 # Machine transcription. Not an edition. Errors are expected: about 8% character error rate on Latin and French lines, higher on German. # Licence: CC BY 4.0, Leibniz Legible. Machine output: do not ingest it as verified text; keep this provenance with the text. # Wording rule: say "the machine reads it as …", never "Leibniz wrote". # After the first blank line: the recognised lines in reading order, one per line. Man möchte sagen, die Handwergs-Leüte arbeiten iezo aus noth. Wenn man ihnen alle nothdurfft verschaffen wird, wer den sie nichts arbeiten. Ich sustinire das cont- rarium daß sie alsdann mit Lust mehr, als iezo aus noth thun werden. Denn erstlich wenn ein Mensch seiner Nahrung ungewiß, hat er zu nichts weder muth noch herz, arbeitet nichts mehr, als er zu vertreiben trauet, so wegen seiner wenigen Kunden wenig, bleibt bey minutien, hat nicht das herz etwas neües und Reales vor zunehmen, kan also auch nichts verdienen, mus sich offt voll sauffen nur die despe ration ausm sinn zu schlagen, und die traurigkeit zu vertrincken, ist von der gesellen muthwillen geplaget; Aber da wird’s anders zugehen: ein ieder wird mit Lust arbeiten, weil er weis was er zu thun hat. Wird nie, wieder willen müßig gehen, wie iezo, denn keiner für sich sondern ins gemein arbeitet, hat der eine zuviel der andere zuwenig so schlegt mans dem andern zu. Hingegen wird kein Handwergsman vonnothen haben, wie iezo auf ein mahl sich mit seinen Leüten bey s ich haüffender arbeit halb todt zu plagen, weil ohngefehr allezeit die gleich seyn wird. Die gesellen wer den mit lust einer mit den andern umb die wett in den öffentlichen werckhäus ern arbeiten, die meister werden das jenige arbeiten so mehr verstand erfodert. Keinen meister wirds verdrießen daß der gesell gescheid und auch bald mei ster werden möchte, denn was schads ihm so. Die Kost der gesellen und nothdurfft wird erpflegen, alle Handwerge geschenckt, seyn. Kein meister wird zu sorgen haben wie er seine Kinder versorge, ihnen ehr liche Heürathen schaffe. Vor erziehung der Kinder wird die Societät sorgen; Ältern sollen ihre Kinder zu erziehen ent¬ übriget seyn: alle Kinder sollen in guther Zucht in öffentlichen weisenhäusern so lange sie klein von weibern erzogen werden. Und dennoch wird man vollkommene obsicht halten, daß stehen, wie könte ein Mensch glückseel tehen. Wie könte ein Mensch glückseeliger leben. Die Handwergsleüte werden mit Lust beysammen in großen Stuben bey der compagnie mit singen und schwäzen arbeiten, ausge nommen welche arbeiten nachsinnen erfodern. Die meiste arbeit wird vormittags seyn. Man wird dahin trac ht, wie ihme andere Lust als das sauffen gemacht werde nehmlich schwäzen von ihrer Kunst, er zehlen allerhand lustiger sachen, da bey muß man ihnen sachen zu eßen geben e, dem durchl. versezten Reichs durch ei Es ist keine größere Lust einem verständigen, ja einem ieden Menschen, der es nur einmahl gewohnet, sey, da und müßliche man annehmliche und nüzliche sachen erzehlet, bey ieder compagnie soll iemand seyn, so gar die Handwergsleüte, der nüzliche vorfallende remarqven aufzeichne. Alleine die sauptregel der societät soll seyn. ine wahre Liebe und vertraülig keit unter den gliedern zu stifften, nichts anziehendes hönisches ver ächtliches gegen den andern sich mercken laßen. Ja so gar die obren, ohne wenn nichts anders verfangen will, sollen al ler verächtligkeit müßig gehen, denn die ist die einige hinderung der di d traüligkeit. Kein Mensch soll wegen versehens ausgelacht werden, und wenn es noch so grob: sondern er soll b rüderlich sanfftmüthig ermahnet, und zu gleich unnachlaßig nach gele genheit gestrafft werden. Straffe soll eyn vermehrte und schwehrere arbeit, als daß ein Meister müße arbeiten wie ein gesell, ein gesell wie ein g Die virtutes morales sollen soviel müglich juxta principia Octavii Pisani per gradus aufs höchste getrieben werden; wenn man merckt daß Dinge zwey personen sich nicht zusammen vergleich ihn können, soll man sie sondern auch eine Lütgen soll Tit, nujal nicht zu dick über einander stecken, wen gehalten worden, und Franckheiten mit Gestrafft werden. Sed super Prof. minia statim mutio publicanda.