Leibniz-Handschriften zur Politik und Volkswirtschaft LH 34, fol. 229v
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- Man möchte sagen, die Handwergs-Leüte
- arbeiten iezo aus noth. Wenn man
- ihnen alle nothdurfft verschaffen wird, wer
- den sie nichts arbeiten. Ich sustinire das cont-
- rarium daß sie alsdann mit Lust mehr,
- als iezo aus noth thun werden. Denn erstlich
- wenn ein Mensch seiner Nahrung ungewiß,
- hat er zu nichts weder muth noch herz,
- arbeitet nichts mehr, als er zu vertreiben
- trauet, so wegen seiner wenigen Kunden
- wenig, bleibt bey minutien, hat nicht
- das herz etwas neües und Reales vor
- zunehmen, kan also auch nichts verdienen,
- mus sich offt voll sauffen nur die despe
- ration ausm sinn zu schlagen, und die
- traurigkeit zu vertrincken, ist von der
- gesellen muthwillen geplaget; Aber
- da wird’s anders zugehen: ein ieder wird
- mit Lust arbeiten, weil er weis was er
- zu thun hat. Wird nie, wieder willen
- müßig gehen, wie iezo, denn keiner
- für sich sondern ins gemein arbeitet,
- hat der eine zuviel der andere zuwenig
- so schlegt mans dem andern zu.
- Hingegen wird kein Handwergsman
- vonnothen haben, wie iezo auf ein
- mahl sich mit seinen Leüten bey s
- ich haüffender arbeit halb todt zu
- plagen, weil ohngefehr allezeit die
- gleich seyn wird. Die gesellen wer
- den mit lust einer mit den andern umb
- die wett in den öffentlichen werckhäus
- ern arbeiten, die meister werden
- das jenige arbeiten so mehr verstand
- erfodert. Keinen meister wirds verdrießen
- daß der gesell gescheid und auch bald mei
- ster werden möchte, denn was schads
- ihm so. Die Kost der gesellen und nothdurfft
- wird erpflegen, alle Handwerge geschenckt,
- seyn. Kein meister wird zu sorgen haben
- wie er seine Kinder versorge, ihnen ehr
- liche Heürathen schaffe. Vor erziehung
- der Kinder wird die Societät sorgen;
- Ältern sollen ihre Kinder zu erziehen ent¬
- übriget seyn: alle Kinder sollen in guther
- Zucht in öffentlichen weisenhäusern so
- lange sie klein von weibern erzogen
- werden. Und dennoch wird man
- vollkommene obsicht halten, daß
- stehen, wie könte ein Mensch glückseel
- tehen. Wie könte ein Mensch glückseeliger leben. Die Handwergsleüte
- werden mit Lust beysammen in
- großen Stuben bey der compagnie mit singen
- und schwäzen arbeiten, ausge
- nommen welche arbeiten nachsinnen
- erfodern. Die meiste arbeit wird
- vormittags seyn. Man wird dahin trac
- ht, wie ihme andere Lust als
- das sauffen gemacht werde
- nehmlich schwäzen von ihrer Kunst, er
- zehlen allerhand lustiger sachen, da
- bey muß man ihnen sachen zu eßen geben
- e, dem durchl. versezten Reichs durch ei
- Es ist keine größere Lust einem
- verständigen, ja einem ieden Menschen,
- der es nur einmahl gewohnet,
- sey, da
- und müßliche
- man annehmliche und nüzliche sachen erzehlet,
- bey ieder compagnie soll iemand
- seyn, so gar die Handwergsleüte,
- der nüzliche vorfallende remarqven
- aufzeichne. Alleine die
- sauptregel der societät soll seyn.
- ine wahre Liebe und vertraülig
- keit unter den gliedern zu stifften,
- nichts anziehendes hönisches ver
- ächtliches gegen den andern sich mercken
- laßen. Ja so gar die obren, ohne wenn
- nichts anders verfangen will, sollen al
- ler verächtligkeit müßig gehen, denn
- die ist die einige hinderung der
- di
- d
- traüligkeit. Kein Mensch soll wegen
- versehens ausgelacht werden, und
- wenn es noch so grob: sondern er soll b
- rüderlich sanfftmüthig ermahnet,
- und zu gleich unnachlaßig nach gele
- genheit gestrafft werden. Straffe soll
- eyn vermehrte und schwehrere arbeit,
- als daß ein Meister müße arbeiten
- wie ein gesell, ein gesell wie ein
- g
- Die virtutes morales
- sollen soviel müglich juxta principia
- Octavii Pisani per gradus aufs höchste
- getrieben werden; wenn man merckt daß
- Dinge zwey personen sich nicht zusammen vergleich
- ihn können, soll man sie sondern auch
- eine Lütgen soll
- Tit, nujal
- nicht zu dick über einander stecken, wen
- gehalten worden, und Franckheiten mit Gestrafft werden. Sed super Prof.
- minia statim mutio publicanda.
Cite
Leibniz-Handschriften zur Politik und Volkswirtschaft LH 34, fol. 229v. Machine transcription, not an edition: Leibniz Legible (model k3-trocr@runs-615-epoch-5, run 617). https://leibnizlegible.com/page/00068823:0448?run=617