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Leibniz-Handschriften zur Theologie LH 1, 9, fol. 117v

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  1. Wir wollenverfuchen, ob und
  2. Wie weit man diese Streitigkeiten, wo
  3. nicht vollkomlich haben, doch wenigstens
  4. dermaßen erleütern könne, daß ein
  5. theil den andern beßer verstehen möge;
  6. welches zum minsten den Nuzen haben kan,
  7. daß einer dem andern unter dem favor
  8. der dunckeln reden, vermittelst unzuständen, vermein-
  9. länglicher definitionen nichts hauptsächliches
  10. weiter zur ungebühr auf bürden könne.
  11. der
  12. situta divina
  13. müßen nothwendig comparabilia, oder
  14. wie es von unsern Theologis exprimiret
  15. wird. Harmonica seyn. Gott, ob
  16. Zwar nicht nur Barmherzig, sondern die
  17. Barmherzigkeit selber ist, kan iedoch keine
  18. weürckung derselbigen außübung, die
  19. siner gerechtigkeit entgegen lauffe; auch
  20. keine würckung der Gerechtigkeit, dadurch
  21. die Barmherzigkeit aufgehoben werde
  22. Will Gott eine würckung seiner allmacht,
  23. seiner güthe, oder dergleichen Verrichten, so
  24. muß derselbe seiner höchsten theißheit aller
  25. dings gemäß seyn. Gott hatte durch
  26. eine Allmacht, wodurch er alles das jenige
  27. was keine contradiction impliciret, oder
  28. keine imper sectionem in agente mit sich führet,
  29. zu thun vermag, ohnzahlbar viel creaturen
  30. schaffen können, die er doch nicht geschaffen,
  31. weifels ohne weil seine höchste weisheit
  32. solche nicht nöthlich noch dienlich zu seyn
  33. erachtet. Die güthe Gottes, welche darinn
  34. bestehet, daß er im Höchsten grad geneigt
  35. sey iedermanniglich alles guthes zu erweisen,
  36. sen, hätte zu wegebringen können, ja
  37. würde würcklich zu wege bracht haben, daß
  38. es keiner creature-fehlete an irgends einem
  39. guth. Weil aber die weißheit Gottes sol
  40. ches nicht vor dienstem gehalten, gibt es
  41. arme und reiche, Kluge und einfältige
  42. schohn und heschliche, starcke und schwache
  43. fröhliche und traurige. So gar, wenn
  44. Gott, der allein guth und die guthe selbst
  45. e
  46. ist, das böse zuläßet, ob wir schohn die
  47. so
  48. bewegende ursach die gott dazu veranlaßet
  49. nicht allemahl wißen, so müßen wir doch
  50. der höchsten weißheit Gottes halber mit
  51. ein

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Leibniz-Handschriften zur Theologie LH 1, 9, fol. 117v. Machine transcription, not an edition: Leibniz Legible (model k3-trocr@runs-615-epoch-5, run 617). https://leibnizlegible.com/page/00068367:0234?run=617