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Leibniz-Handschriften zur Theologie LH 1, 9, fol. 135v

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  1. zwar ist von Ewigkeit nichts außer
  2. Gott, es sind aber doch ab aeterno in intellectu
  3. divino ideae rerum tam possibilium qvam
  4. actualium, ut in divina voluntate sunt volitio-
  5. nes et decreta tam absoluta quam conditionata
  6. darunter dann die ideae actualium qvatenus
  7. talium, also bewand, daß sie gewiße decreta
  8. actualia divinae voluntatis praesupponiren,
  9. ohne welche sie zu keiner würckligkeit kommen
  10. können. Also wenn Gott in ideis glossibilium die re
  11. tiones eligendorum actualium findet, kan man eben
  12. nicht sagen, daß die consumption außer ihm sey.
  13. Weil auch dergestalt in Gott eine doppelte scientia
  14. gesezet wird: Simplicis intelligentiae pro possibili
  15. et scientia visionis pro actualibus, so haben einige
  16. eine scientiam mediam inter has duas, in Gott
  17. finden wollen, nempe non purorum actualium
  18. sed conditionalium; qua Deus scit quid esset futurum
  19. sialiquid poneretur in actu. Wodurch sie ein
  20. mittel zu erseinen vermeinet, den Nodum
  21. praedestinationis aufzulösen, und eine
  22. bewegende Ursach der Gnadenwahl zu
  23. erfinden. Nehmlich daß Gott wiße, wie
  24. ein ieder dem er die gnade gibt, oder auch
  25. Person a
  26. dem er sie nicht gibt, solche gnade wäre, da sie
  27. ich sie gegeben werden solte, bey so oder so
  28. bewanten umbständen aufnehmen würde;
  29. der jenige nun, von welchem Gott vorhehr
  30. sehe, daß er die angebothene Gnade weiter nicht so er
  31. von sich stoßen und also beßer gebrauchen Weide
  32. würde. Dem gebe er mehr liecht,
  33. mehr hülffe, auch mehr und beßere umbstande, den effect dergium zu erreichen
  34. r allen sich melde die Caulstuben zwar H. Gulem. h
  35. Nun stellet man zwar dahin, ob diese
  36. so genante von einigen Spanischen Jesuitern
  37. inventirte oder wenigstens in ruff ge¬
  38. brachte scientia media nicht sub scientia
  39. Scemplicis intelligentiae mit begriffen sey;
  40. dadurch gott connexionem et seriem omnium
  41. possibilium weiß, und also zugleich begreifft,
  42. was aus einem oder andern dieser möglichen
  43. inge, wenn sie zur würckligkeit kommen
  44. solten folgen würde.
  45. Man will auch dieß ex scientia dei
  46. media angegebene fundamentum Electionis
  47. lieber dahin gestellet seyn laßen, als damit
  48. den abgrund der Praedestination zu ergründen
  49. unternehmen, inmaßen sich in der anbringung
  50. Deßelben große schwäichrigkeiten hervorthun.
  51. Denn wann man sagt,
  52. Gott gebe
  53. majora auxilia.

Cite

Leibniz-Handschriften zur Theologie LH 1, 9, fol. 135v. Machine transcription, not an edition: Leibniz Legible (model k3-trocr@runs-615-epoch-5, run 617). https://leibnizlegible.com/page/00068367:0270?run=617