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Leibniz-Handschriften zur Philosophie LH 4, 4, 4, fol. 3v

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  1. Vergangene sich nicht bekümmern kan; in dem
  2. er entweder erlangt was er gesucht, oder wo
  3. er
  4. nicht, doch wohl sihet, daß ihm nüzlicher daß
  5. ers nicht erlanget, und so er endlich gefehlet
  6. er
  7. dienet ihm solches ins künfftige zu desto beständigerm glück.
  8. Das gegenwertige weis er also einzurichten,
  9. daß es ihm sichere große angenehmligkeit erwecken
  10. mus; maßen das menschliche gemüth absonderlich
  11. durch dreyerley art wollüste in diesem Leben er
  12. gäzet wird, einer aber aus denselbigen genießet
  13. ein solcher Mensch allezeit völlig. Denn entweder
  14. er ist in schärffung und erbauung seines Verstandes
  15. bemühet; weil es der jenige Wegweiser dem er
  16. sich gänzlich übergeben und anvertrauet,
  17. alsdann erwecket die erkändnüß deren Sachen
  18. so er dadurch uberkomt in ihm eine solche wollust, d
  19. ie im geringsten nicht zu vergleichen mit der
  20. d
  21. jenigen welche wir empfinden durch beschauung
  22. derer Sachen so die äugen uns anweisen;
  23. oder aber dieweil er stets nur den bewegungen
  24. des gemüths nachzufolgen im vorsaz, solchen
  25. e
  26. aber die bewegungen des Leibes sehr zuwieder, so
  27. ists zwar offtmahls schwehr sich diesen entgegen
  28. sezen; die Überwindung aber versuchet in ihm
  29. e
  30. die lieblichste angenehmste beständigste Ver¬
  31. gnügung des gemüths, als einige andere seyn mag,
  32. sie komme auch hehr wo sie wolle; oder ja
  33. endtlich da er sich zu Zeiten der erlustigung bedienet,
  34. so uns Gott durch die eusern seine ertheilet, und
  35. die fast nur allein ins gemein bekandt,
  36. so weis er sich der mit weit mehr empfindligkeit
  37. zu bedienen, als die so nur bloß durch affecten
  38. getrieben werden. Dazu denn sonderlich dieser
  39. vortheil dienet, daß er sich deren zu rechter zeit zu
  40. bedienen, und sie wohl zu mischen wiße; denn wenn
  41. sie zu offt kommen, erlustigen sie nicht mehr, und
  42. wenn sie zu Unrechter zeit kommen, erlustigen
  43. sie nicht gnugsam. Daß also wer dieses wohl verstehet,
  44. die kunst hat wohl zu leben und dieses Lebens Süßigkei
  45. 1
  46. t
  47. mit beßer annehmligkeit und Vergnügung als andere
  48. zu schmecken.
  49. Endtlich fürchtet er auch das
  50. zukünfftige nicht, theils seiner, theils seiner
  51. 4 ins künfftige
  52. Nied
  53. nachbibliothe
  54. Hennover.

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Leibniz-Handschriften zur Philosophie LH 4, 4, 4, fol. 3v. Machine transcription, not an edition: Leibniz Legible (model k3-trocr@runs-615-epoch-5, run 617). https://leibnizlegible.com/page/00068593:0006?run=617