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Leibniz-Handschriften zur Philosophie LH 4, 4, 4, fol. 8r

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  1. Weißheit ist nichts anders als die wißenschafft der Glück
  2. seeligkeit, so uns nehmlich zur glückseeligkeit zu gelangen lehret
  3. Die Gluckseeligkeit ist der Standt einer beständigen
  4. Freude.
  5. Werglückseelich ist, empfindet zwar seine freude nicht
  6. alle augenblüke, denn er ruhet bisweilen, vom nachdencken, wendet
  7. auch gemeiniglich seine gedancken auf anständige geschäffte, Es
  8. ist aber gnug, das er in stand ist die fremde zu empfinden,
  9. so offt er daran dencken will, und daß in zwischen darauß
  10. eine freudigkeit in seinem thun uns wesen entstehet.
  11. an
  12. Die gegenwärtige Freude macht nicht glücklich, wenn kein
  13. Bestand dabey; und ist viel mehr der jenige unglückseelig, der umb
  14. kurtzer freude willen in lange traurigkeit derfället
  15. Die Freude ist eine Lust so die Seele an ihr selbsten
  16. empfindet.
  17. Die Last ist der empfindung einer Vollkommenheit oder
  18. Vortreflichkeit, es sey an uns, oder an etwas anders; dem
  19. n Pappen und wohlmehrung anbieten auch fremder dinge angenehm;
  20. und sonderlich
  21. Als Verstand, tapferkeit, und auch ohnheit eines andern Menschen, auch wohl
  22. eines thieres, ja gar eines Leblichen geschöpfes, gemählt des, oderkunstwercks
  23. Wenn das Bild solcher frembden Vollkommenheit im uns eingedrucken
  24. nimbt daß auch etwas davon in unß selbst gepflantzet und erwecket,
  25. wirdt; wie dann kein Zweifel, daß wer viel mit treflichen Leüten
  26. und Sachen umbgehet, auch davon vortreflicher werde.
  27. Und obschohn bißweilen fremde Vollkommenheiten v
  28. zum exempel
  29. mißfallen; alß der Verstandt oder die tapferkeit eines feindes
  30. die schöhnheit eines mit-Bühlers, der glantz einer frembden
  31. tugend die nun Vergnünkelt, oder beschämet, so geschieht es doch
  32. nicht auß der Vollkommenheit an ihr selbsten, sondern
  33. wegen des umbständes, dadurch uns ungelegenheit entstehet,
  34. süßigkeit
  35. einer frembden vollkommenheit durch den war
  36. fünigkeit der ersten empfindung der
  37. ein öchterkeit des nachdenckens auß gethan und verderbet.
  38. Man mercket nicht allezeit, worinn
  39. oder zu was für einer vollkommenheit sie in uns dienen
  40. der angenehmmen dinge wohl mehr mehr mehr mit ihrer Versprung selbst unterdruckung des gemändigen §. 25. beßehet, und wird die doch schon
  41. unsern gemüth, ob schohn nicht von Unserm verstand, empfunden. Man
  42. gesaget ins gemein eß ist, ich weiß nicht was so mir ander hoch gefället
  43. daß nennet man Sumpathi; aber dadurch der dingen Ursachen forschen, finden
  44. den Grund zum öfftern und begreiffen daß etwas darunter stecke, so uns zwar
  45. unvermercket, doch wahrhafftig zu statten komt.

Cite

Leibniz-Handschriften zur Philosophie LH 4, 4, 4, fol. 8r. Machine transcription, not an edition: Leibniz Legible (model k3-trocr@runs-615-epoch-5, run 617). https://leibnizlegible.com/page/00068593:0015?run=617