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Leibniz-Handschriften zur Theologie LH 1, 6, 7, fol. 2r

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  1. . Ich will derowegen in dießer Materi
  2. einen andern weg nehmen, und mich vergnüg
  3. r
  4. zu zeigen, was meiner meinung nach am glaub-
  5. würdigsten oder probabelsten sey. Maßen
  6. ein volliger beweiß oder demonstration
  7. in glaubens sachen ganz nicht nöthig und
  8. wenn ich einem beweißen kan, daß
  9. eine meinung mehr der wahrheit als dem irrthum
  10. ähnlich, so steht es nicht in seiner macht s
  11. ie nicht zu glauben. Denn man glaub
  12. die dinge nicht, weil man will oder nicht
  13. will, sondern weil man
  14. denn die wahrscheinligkeit findet,
  15. welches alles das jenige ist,
  16. t, so die Religion, in so fern sie
  17. einen theil.
  18. bestehet, von uns erfordert. UberdieB, weil die
  19. demonstration eine solche handgreifligkeit ist
  20. dadurch man findet, daB das gegentheil
  21. unmüglich sey, so ist es etwas ungereimt
  22. geredet, wenn man sagt, daß man das j
  23. enige glaube, so man gewiß weiß n
  24. icht anders seyn zu können, welches eben
  25. alß wenn einer sagen wolte, er h
  26. offe das jenige, so er bereits besizet.
  27. Da doch die gewißheit den glauben
  28. eben so wohl verschwinden machet
  29. gleichsam verschlinget, als die
  30. genießung das hoffen.
  31. Weil nun mein vorhaben
  32. ist durch die Religion
  33. ehr verursachen, durch die bloße Krafft
  34. der Vernunfft zu behaupten bin ich
  35. gezwungen, alle die jenigen beweißthüme
  36. an die seite zu legen, welche einiger
  37. maßen sich auf die heilige schrifft
  38. ständen, und also schreiben, als ob ich
  39. mit leuten zu tun hätte, die gar keine
  40. religion nicht haben. W
  41. Die erste hauptfrage, darauff ich
  42. diese meine schrifft gründe ist, welches
  43. der wahrheit ähnlicher sey, daß die welt
  44. t
  45. wie sie nun ist, sich selbst eingerichtet,
  46. oder daß ein mehr vollkommenes un
  47. verständiges wesen, sie
  48. gebildet. Denn ob die welt aus nichts
  49. geschaffen sey, gehöhrt hieher nicht, und
  50. wofern nur eine überschwenckliche
  51. weisheit uns und die welt gemacht hat
  52. were derowegen

Cite

Leibniz-Handschriften zur Theologie LH 1, 6, 7, fol. 2r. Machine transcription, not an edition: Leibniz Legible (model k3-trocr@runs-615-epoch-5, run 617). https://leibnizlegible.com/page/00068342:0003?run=617