Leibniz-Handschriften zur Theologie LH 1, 9, fol. 119v
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- würden aeterna veritates keine
- gewißheit in sich haben, selbst bonitas et
- justitia dei, würden nur dénominationes
- extriolae, ja gar in der that ohne grund seyn,
- wenn ihre Wahrheiten von Gottes willen
- hehrrühreten. Si tantum staret pro ratione
- voluntas. Man köndte auch Gott seiner wercke
- halber nicht loben, weil nichts lobwürdiges
- daran zu finden, sondern sie allen ihren werth
- von seinem Willen hätten. Dergestalt wäre
- bey Gott seine causa impulsiva decretorum. Ver
- gebüh wäre es gewesen, daß gott nach dem werck
- der Schöpfung seine wercke gesehen, und sie
- alle guth befunden, wenn daran sonst nichts
- gutes, als daß er sie machen wollen, und in
- der that würcklich gemacht,
- ird demnach die Sach nothwendig also
- zu erleütern seyn, daß Gott ratione Essentiae
- suae, non vero arbitrio voluntatis fini omnis
- veri omnisque boni sey. Inzwischen ob zwar
- volitum aliquid essea deo formaliter was
- anders ist, als bonum esse, so treffen sie doch
- materialiter zusammen, also daß sie nicht
- geschieden werden können. Zwar ist nicht
- ohne, daß außer Gott nichts zu finden, darin
- die aeternae veritates, als de bono et
- justo, de rationibus et proportionibus, und
- andern necessario veris beruhen köndten.
- allein sie haben ihren grund in dem ewigen
- wesen gottes selbst nicht aber in den Liberis
- decretis. Sonst möchte man endtlich gar sagen,
- wenn alle Wahrheiten aus Gottesfreyen
- willen entstanden, so wäre auch vecritas Epi
- tentiae divinae eine würckung des freyen willen
- Gottes, quod absurdissimum. Nun bestehen ja
- rechtigkeit guthe schöhnheit nicht weniger als
- die Mathematische Vergnügleichheit und proportion und sind
- also nicht weniger aeterna et necessaria
- veritatis, ihr erkentniß aber fließet wie alle
- guthegaben aus der freywilligen gnade Gottes
- nehmlich aus dem Liecht der Natur, so Gott dem
- nehlichen Verstand eingegeben. Darauß
- die Vollkommenheit des gebers zu erkennen,
- zu lieben, und zu loben. Welches gewiß nicht ge
- schehen köndte, wenn der grund dieser Eigenschafften
- nicht in dem wesen Gottes zu finden, sondern
- auß seinen Liberis Decretis hehrgehohlet werden
- müste
- Es werden ferner die Reformirten be
- schuldiget von der Heiligkeit gottes, in so weit
- sie von deßen gerechtigkeit unterschieden wird,
- keine guthe Lehre zu führen. In dem ihnen
- beygemeßen werden will, daß Gott causa
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Leibniz-Handschriften zur Theologie LH 1, 9, fol. 119v. Machine transcription, not an edition: Leibniz Legible (model k3-trocr@runs-615-epoch-5, run 617). https://leibnizlegible.com/page/00068367:0238?run=617