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Leibniz-Handschriften zur Theologie LH 1, 9, fol. 131r

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  1. und übrigen creaturen, ein vor allemahl
  2. alle Kräffte gegeben, deren sie zu ihren wür
  3. kungen benöthiget, und thue hernach bey ihnen
  4. ein mehrers nicht, als daß er ihnen solche Kräffte
  5. erhalte, et ab interitu conservire, weiter aber
  6. mit ihrer würkung nichts zu schaffen habe.
  7. Allein es sind die meiste Theologi Scholastici
  8. et reliqvi einer andern Meinung, und zwar nicht
  9. unbillig. Denn es haben alle Creaturen eine
  10. Essentialem dependentiam von Gott, oder wie es
  11. Paulus außdrücket: Gott ist nicht ferne
  12. von einem ieden unter Unß, dann in ihm Leben,
  13. Weben und sind wird Act. XVI. 27. 28. ja es
  14. ist nicht zu begreiffen, wie einige Realitas posi-
  15. tiva in den creaturen seyn könne, so nicht
  16. von Gott allezeit herfließe und ihre dependenz
  17. habe. Weil nun nicht allein in dem Wesen, son¬
  18. dern auch in den Würkungen der creaturen
  19. eine Realität stecket, so muß das positivum,
  20. oder was zu der Creaturen perfection in ihrem
  21. grad und nach ihrer art gehöhret, sowohl in der
  22. substanz als in den operationen von Gott seinen
  23. Ursprung beständig herhohlen. Und bestehet
  24. die erhaltung der Creaturen und ihrer Kräffte
  25. nicht, wie einige autores, die den concursum
  26. dei extensiret, davor gehalten, in der bloßen
  27. Verhinderung des untergangs, wie etwa ein
  28. schwehrer Cörper gehalten, oder sonst befesti¬
  29. get wird, daß er nicht herunterfalle; sondern
  30. es ist conservatio, wie die alten recht gesaget
  31. haben, gleichsam eine continuata productio¬
  32. in dem alle dinge nicht weniger iezo als an-
  33. fangs ihre dependenz von gott haben müßen,
  34. Wir zweifeln auch nicht, es werden die Refor-
  35. nirte, von des Durardi meinung umb streche
  36. ertfernet seyn, weilen nicht wenige der
  37. ihrigen vielmehr zu dem extremo opposito sich
  38. zu neigen geschienen.
  39. Nur ist die Frage, wie Gott bey dem
  40. Majo nicht poena (denn das hat seine gewie¬
  41. sene Wege) sondern Culpae mit würcken
  42. könne, ohne sich der Sünden theilhafft zu machen.
  43. Allein es ist bereits ohne angeführet, daß
  44. das malum culpae oder das böse in der
  45. sünde, kein Ens reale positivum, sondern mere
  46. privativum sey, welches nicht von Gott
  47. sondern von den limitibus creaturearum, als
  48. seiner Wurzel hehrrühret. Und kan diese
  49. in der that sehr schwehre und dubtike Sach, mit
  50. dem Exempel eines strohms.
  51. r bey erclärung des Corpers
  52. weiter bedienen, sind in etwas erleütert
  53. werden; welcher an einem orth mit gleich

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Leibniz-Handschriften zur Theologie LH 1, 9, fol. 131r. Machine transcription, not an edition: Leibniz Legible (model k3-trocr@runs-615-epoch-5, run 617). https://leibnizlegible.com/page/00068367:0261?run=617