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Leibniz-Handschriften zur Philosophie LH 4, 4, 4, fol. 42r

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  1. Auß diesen gründen nun ist leicht
  2. zu erkennen, welch guth dem andern für¬
  3. zuziehen, welches böse ärger als das andere,
  4. und folglich, welchem man am meisten
  5. nachtrachten, und wofür man sich am meisten
  6. hüten solle. Zuforderst weil unsere
  7. Seele unsterblich, und unendtlich, so müßen
  8. wir auf solche vollkommenheiten fürnehmlich dencken,
  9. die ihr auch nachdem tode bleiben. Und daß
  10. die jenigen, welche Uns am nächsten mit Gott
  11. vereinigen, und die strahlen seines Liechts, so wohl als die
  12. als flammen seiner Liebe mehr und mehr anzünden,
  13. daher was Uns macht gottes weisheit und macht
  14. erkennen, was uns treibet, deren erkantniß
  15. weiter zu suchen, daß gibt uns eine beständige
  16. Verbeßerung, welche uns auch im todt nicht entgehen kan
  17. können
  18. Hingegen ist gewiß, daß die meiste Menschliche
  19. Nachrichtungen, damit sich die gelehrten ins gemein
  20. viel wißen, nur vor dieser Leben seyn, darinn sie
  21. mit ans noth getrieben, und beybehalten worden, den Gemüth aber eine Saltkommen heilte, ge
  22. ih vergleiche sie solche mit der Kundschafft so
  23. dienet, so lange ich darinn wohne, hernach aber keine Nuzen, an sich selbst auch keine vollkommen
  24. ich habe von den gaßen einer großen stadt, wie
  25. etwa Parisi oder Londen, welche mir
  26. ben. Und ist es Bewand mit Sprachen,
  27. mit der Histori mit der Geographi mit genealogien,
  28. WappenKunst, angenommenen Rechten und gebrauchen
  29. der Volcker, ja folgt mit der Experimentat nachricht der gewohnheiten
  30. n der Natur, in so weit ich in diesen dingen
  31. ch nicht gelegenheit zu einer
  32. sonderbaren Weißheit und betrachtungen finde.
  33. Quantula patis rerum est, in qua se gloria tollit.
  34. Wie ist doch unsre ganze End kugelesen, daß ein kleines
  35. ding in der Natur? Wie viel unendlich
  36. andere, arten beschaffenheiten gewohnheiten würde,
  37. man in den andern großen Weltkörpern finden?
  38. Also außer daß uns des Erbodens Natural
  39. und civil kundschafft in diesem Leben und Menschlichen
  40. umbgang nöthig, so kan sie unser
  41. wahren vollkommenheit nicht dienen, es sey dann daß
  42. seyn, sie uns gelegenheit gibt, ewige
  43. und allgemeine Wahrheiten zufinderst in
  44. allen weltkugeln, ja in allen Zeiten, und
  45. ch
  46. mit einem worth bey Gott selbst gelten müßen,
  47. ch von dem sie auch beständig,
  48. herzfließen inzwischen gestehe ich gern
  49. clesivileten art dersehen zu belitten, daß der auch die
  50. dieße kundschafften nöthig seyn; man kan aber die jenigen
  51. so sie allein besizen, nicht vor verständig
  52. n, und weniger
  53. für weise, am aller wenigsten aber
  54. für glückseelig halten.
  55. beständige) auch alhier selbst
  56. menheit und verbeße
  57. rung bringet.
  58. und beförders-
  59. würdig seyn.

Cite

Leibniz-Handschriften zur Philosophie LH 4, 4, 4, fol. 42r. Machine transcription, not an edition: Leibniz Legible (model k3-trocr@runs-615-epoch-5, run 617). https://leibnizlegible.com/page/00068593:0085?run=617